Wer keine Kalorien zählt, nimmt ab!

Menschen, die abnehmen wollen oder müssen, bekommen von schlauen Zeitgenossen immer das gleiche Rezept serviert: “Kalorien zählen! Von morgens bis abends die Kalorien zählen von allem, was du isst. Du musst mehr davon verbrennen, als du zu dir nimmst, dann nimmst du ab.” Dieses Statement schrammt hart am groben Unfug vorbei. Wer mit Kalorienzählen abnehmen will, wird vorhersehbar scheitern, wie Hunderttausende vor ihm.

Kalorien – Was ist das überhaupt?

Kalorien, das sind die kleinen Heinzelmännchen, die nachts immer heimlich die Hosen enger machen.”, ist eine beliebte, scherzhafte Antwort auf die Frage, was genau man sich denn nun unter einer Kalorie vorzustellen hat. Natürlich ist eine Kalorie kein kleines Männchen, sie ist schlicht die Bezeichnung für eine Wärmemenge. Man unterscheidet Grammkalorien (cal) und Kilokalorien (kcal). 1 cal ist nötig, um 1 Gramm Wasser um 1 Grad Celsius zu erwärmen, 1 kcal erwärmt 1000 Gramm Wasser, also 1 Liter, um 1 Grad Celsius. Als Nährwertangabe gebraucht bezeichnet die Kilokalorie (wir sprechen immer von Kalorien, meinen aber in 99,9 Prozent aller Fälle Kilokalorien) den Brennwert eines Nahrungsmittels. Der wird in einem sogenannten Bomben-Kalorimeter (auch Berthelotsche Bombe genannt) ermittelt. Das ist vereinfacht gesprochen eine Schale, in der unter Sauerstoffüberdruck mit einem Glühdraht Lebensmittel verbrannt werdenm z. B. 100 Gramm Salami. Diese Brennkammer ist mit Stahl ummantelt, diese Stahl-Bombe liegt komplett im Wasser und der Temperaturanstieg dieses Wassers wird gemessen. So wurde dann herausgefunden, dass 100 Gramm Salami 316 kcal haben. Und Mandeln haben sogar rasante 576 kcal.

Schlank machende Kalorienbombe

Trotzdem raten viele Ernährungswissenschaftler dazu, Mandeln zu essen, wenn man abnehmen will. Denn der Körper kann das in den Mandeln enthaltene Fett gar nicht komplett verarbeiten, er scheidet es zum großen Teil unverarbeitet wieder aus, so dass man mindestens ein Drittel der Mandel-Kalorien gleich abziehen kann. Darüber hinaus enthalten Mandeln gesundes Eiweiß und jede Menge Vitamine. Schließlich – und das ist entscheidend – ist man nach dem Verzehr einer Handvoll Mandeln für lange Zeit pappsatt. Fertig ist die schlank machende Kalorienbombe.

Stoffwechsel wörtlich genommen

Was also hat das Messen, Zählen und Verbrennen von Kalorien mit dem menschlichen Stoffwechsel zu tun? Also damit, ob wir ab- oder zunehmen? Natürlich rein gar nichts. Unser Stoffwechselsystem funktioniert eben nicht wie ein ummantelter Brennofen. Das Wort Stoffwechsel sagt schon alles aus: Unser Körper wandelt die Nahrung, die wir ihm zuführen, um. Aus Fetten, Kohlehydraten, Proteinen macht er letztlich Kohlendioxid, das wir ausatmen. Und Urin, den wir auf die bekannte Weise entsorgen. Verbrannt wird dabei gar nichts, schon gar keine Kalorien.

Schokolade vs. Blumenkohl

Die Zweifel am Sinn der Kalorienzählung werden mit jedem Tag größer, an dem wir mehr über den menschlichen Stoffwechsel erfahren. Wir wissen heute, dass es viel weniger auf die Kalorienzahl ankommt als auf die Zusammensetzung unserer Nahrung. Ein Beispiel: Wenn ich 500 kcal Schokolade esse, steigt mein Blutzucker rasant an, meine Bauchspeicheldrüse schüttet jede Menge Insulin aus. Insulin sorgt u.a. dafür, dass die Fettverbrennung gestoppt und der aufgenommene Zucker direkt in den Fettzellen gespeichert wird. Es ist wahrscheinlich, dass ich zunehme. Wenn ich statt der Schokolade z. B. 500 kcal Blumenkohl esse, passiert das nicht. Wahrscheinlich werde ich mein Gewicht halten oder gar abnehmen. Bei gleicher Kalorienzufuhr.

Ein Löffel Kartoffelpüree

Ein weiteres Beispiel: Nehmen wir 2 Menschen, beide gleich groß und schwer, die ein Jahr lang das gleiche zu sich nehmen. Einer von beiden nimmt täglich einen Esslöffel Kartoffelpüree zusätzlich zu sich, das sind pro Tag ca. 20 bis 30 kcal, binnen eines Jahres ungefähr 8000 kcal, was 1 kg Fett entspricht. Er müsste also nach einem Jahr 1 kg schwerer sein als der andere. Von einem Löffel Kartoffelpüree pro Tag. Wenn das mit dem Kalorienzählen denn stimmen würde. Aber selbst Ernährungs-Experten, die nach wie vor auf die Kalorienzählerei schwören, geben zu: Von einem Löffel Kartoffelpüree mehr am Tag nimmt man nicht zu.

Fettarm ist falsch

Man sieht: Kalorienzählen zum Abnehmen ist komplett kontraproduktiv, da unser Stoffwechselsystem nicht mit Kalorien arbeitet. Wer abnehmen möchte, sollte daher nicht die Kalorienmenge ändern, die er zu sich nimmt, sondern die Qualität seiner Nahrungsmittel. Nehmen wir das Beispiel Fett. Fett ist der größte Feind des Menschen, der abnehmen will, meinen zahllose Diät-Experten. Fett meiden, Fett weglassen, fettarme Nahrung bevorzugen… Wer das sagt, unterschätzt unseren Stoffwechsel, der ja alle Nahrung umwandeln kann. Wenn der Stoffwechsel Gewichtszunahme für angebracht hält und kein Fett bekommt, dann nimmt er halt von Kohlehydraten zu. Nach neuesten Erkenntnissen ist es übrigens sogar sinnvoll, Fett zu essen, wenn man abnehmen will. Omega-3-Fette, die zum Beispiel in Nüssen oder in Fisch enthalten sind, sind gesund, sättigen nachhaltig und können daher bei der Gewichtsreduktion hilfreich sein.

Die Alternative

Die verblüffend einfache Alternative zur sturen Kalorienzählerei ist bewusste, gesunde Ernährung. Dazu gehört unter anderem auch Kalorienarmes Essen zubereiten. Bei vielen Menschen genügt es schon, bewusst auf vorfabrizierte Nahrungsmittel wie z.B.:

  • TK-Pizza
  • Fertiggerichte
  • Fruchtjoghurts aus dem Kühlregal
  • etc.

zu verzichten und mit frischen Produkten selbst zu kochen. Wenn dann noch der Nahrungsmittelmix stimmt, man also viel Gemüse, Obst und Salat zu sich nimmt und Proteine und Fett vorwiegend aus Nüssen, Fisch und hochwertigem Fleisch bezieht, wird man sich binnen kürzester Zeit nicht nur viel besser fühlen. Man wird auch abgenommen haben. Weil man keine Kalorien gezählt sondern was vernünftiges gegessen hat.

Bildquelle: romrodinka/Bigstock.com

Über den Autor:
Redakteur beim Gesundheitsportal Gesundheit.de.de.

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