Zurück zu den Ursprüngen – die Paleo-Diät

Übergewicht, Stoffwechselstörungen, Allergien und ernährungsbedingte chronische Krankheiten gelten als wichtige Herausforderungen der modernen Zivilisation. Behandelte sowie fettreiche Nahrungsmittel, kurzkettige Kohlehydrate, Konservierungsstoffe und viele ungesunde Zutaten mehr in den modernen Nahrungsmitteln sorgen für eine weite Verbreitung der sogenannten Zivilisationskrankheiten. Probleme, die unsere Vorfahren vor Generationen nicht belasteten, wie Forschungen immer wieder belegen. Kann daher die Ernährung der Vergangenheit der Schlüssel zu einem gesunden und fitten Leben sowie mehr Lebensqualität sein? Die Paleo Diät verfolgt eben diesen Ansatz. Doch wie genau funktioniert diese Diät und für wen ist sie geeignet?

Hintergrund der Paleo Diät

Zahlreiche Untersuchungen, die in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, belegen, dass unsere Vorfahren vor tausenden von Jahren über eine gute körperliche Fitness verfügten. Dies war nicht nur der häufigeren Bewegung der Menschen geschuldet, die natürlich grundlegend für die Nahrungsbeschaffung in der Zeit der Jäger und Sammler war, in der sich die technischen Errungenschaften auf wenige handwerkliche Erzeugnisse beschränkten, sondern auch der Ernährungsweise und den verwendeten Nahrungsmitteln. Die Paleo-Diät, oder auch Steinzeitdiät, nimmt diese Gedanken auf und konzentriert sich auf die Ernährungsweise der Menschen in der – wie der Name bereits andeutet – Altsteinzeit. Genauer gesagt, auf die Zeit des Paläolithikums, einer knapp zwei Millionen Jahre dauernden Epoche vor dem Beginn der neolithischen Revolution vor 10.000 bis 20.000 Jahren. Erst in dieser neolithischen Revolution setzte sich die Sesshaftigkeit durch und es entwickelten sich Ackerbau und Viehzucht zu den vorherrschenden Elementen in der Ernährung des Menschen in Europa. Diese Zeit stellte eine Zäsur dar, einen wichtigen Entwicklungsschritt auf dem Wege zum modernen Menschen.

Evolutionswissenschaftliche Überlegungen

Allerdings stellte die Paläopathologie für diese Zeit auch eine paradoxe Entwicklung fest. Einerseits stellten die Menschen durch die Viehzucht und den Ackerbau eine deutlich höhere Menge an Lebensmitteln her als zuvor, andererseits verringerte sich trotz ausreichender Nahrungsmenge die durchschnittliche Körpergröße der Menschen, die Lebenserwartung sank. Wiederum stieg die Sterblichkeitsrate der Säuglinge und die Zahl der Infektionskrankheiten nahm zu, ebenso Krankheiten, die in den modernen Zivilisationen ein Problem darstellen. Evolutionsmediziner sind daher der Ansicht, dass diese Art der Ernährung nicht artgerecht ist und sich die Menschen auf die Ernährung der Steinzeit besinnen sollten, schließlich habe sich doch das Erbgut der Menschen in den vergangenen 2,5 Millionen Jahren nicht wesentlich geändert.

Die Ernährung in der Paleo Diät

Zwar ist der Ernährungsplan unserer steinzeitlichen Vorfahren nicht vollständig erforscht, doch die Wissenschaft hat schon recht genaue Vorstellungen, was damals “auf den Tisch kam”. Zahlreiche Erkenntnisse über die Ernährung in der Steinzeit gelten als gesichert und viele werden bereits in der Schule gehört haben, was bei unseren steinzeitlichen Vorfahren gegessen wurde. Die Jäger und Sammler ernährten sich sehr proteinreich, vor allem standen auf der täglichen Speisekarte:

  • Fleisch
  • Fisch
  • Schalentiere
  • Meeresfrüchte
  • Eier

Weitere Proteinlieferanten stellten Nüsse und Esskastanien dar. Diese Diätform kann also mit der Low-Carb-Diät verglichen werden, mit der viele Überschneidungen bestehen. Doch auch Kohlehydrate aus Obst und Gemüse sowie Kräuter, Honig und Pilze kamen damals auf den Tisch und sind somit fester Bestandteil der Paleo Diät. Alle verwendeten Nahrungsmittel sollen ausschließlich naturbelassen, unverarbeitet und roh sein, eben wie frisch gejagt und gesammelt. Strikt zu vermeiden in der Steinzeitdiät hingegen sind selbstverständlich alle Produkte und Nahrungsmittel, die industriell hergestellt werden, wie etwa Zucker und Alkohol, oder Lebensmittel, die einen Verarbeitungsprozess durchlaufen müssen, um genießbar zu sein, wie beispielsweise Oliven. Auch Milchprodukte und Getreideerzeugnisse sind tabu. Die Frage, ob Öle oder Fette erlaubt oder verboten sind, spaltet hingegen die Anhänger der Paleo Diät. Puristen lehnen die Verwendung dieser Öle und Fette ab, da sie ein Produkt der erwähnten industriellen Verarbeitung sind, andere verzichten als Kompromisslösung auf Öle von Pflanzen, die in der Steinzeit in Europa nicht bekannt waren, etwa Mais oder Erdnüsse.

Pro und Contra Steinzeitdiät

Die Vorteile der Steinzeitdiät wurden bereits weitgehend erwähnt. Eine geringere Anfälligkeit für Zivilisationskrankheiten und eine allgemein gesteigerte Lebensqualität sprechen für sich. Es gibt allerdings auch Schattenseiten an der Paleo Diät, auch wenn sie überschaubar sind. Der erste Aspekt ist, dass man sich die Steinzeitdiät leisten können muss. Diese Diätform basiert auf sehr hochwertigen Nahrungsmitteln, die biologisch angebaut werden und naturbelassen sind. Und jeder, der bereits einmal in einem Bioladen eingekauft hat, weiß, was dies bedeutet. Die Steinzeitdiät ist sehr kostenintensiv, da qualitativ hochwertige naturbelassene Nahrungsmittel teuer sein. Dieser Umstand führt dazu, dass viele Menschen diese Diätform skeptisch betrachten, selbst Personen, die sich die Lebensmittel leisten können. Der zweite Aspekt ist der Zeitfaktor. Eine TK-Pizza mal eben in die Mikrowelle schieben ist nicht mehr möglich, auch auswärts essen wird erschwert, wenn nicht gerade ein Restaurant in der Nähe ist, das qualitativ hochwertige, Paleo-gerechte Nahrungsmittel zubereitet. Doch gibt es meist in jedem Restaurant auch für Anhänger der Paleo-Diät etwas zu essen. Die Anhänger dieser Diätform müssen sich öfter an den Herd stellen, um die Nahrungsmittel zuzubereiten. Doch dieser Aspekt kann auch positiv betrachtet werden. Das Leben wird entschleunigt, es wird sich wieder mehr auf das Essen und den Wert der Nahrungsaufnahme konzentriert. Zudem ist ein gemeinsam zubereitetes Essen ein sehr geselliges Ereignis, was die Familien- und Freundschaftsbande festigt. Wer sich also auf die Steinzeitdiät einlässt, lernt eine Ernährungsart kennen, von der auf allen Ebenen profitiert wird.

Mit der Paleo-Diät erlangt man ein neues Level des Wohlbefindens

Mit der Paleo-Diät erlangt man ein neues Level des Wohlbefindens

Für wen ist diese Diät geeignet und wirkt sie wirklich?

Zunächst einmal die gute Nachricht – die Paleo Diät wirkt tatsächlich. Zahlreiche Umfragen ergeben, dass die Anhänger der Steinzeitdiät von einer deutlich gestiegenen Lebensqualität sprechen. Weitere Argumente, welche die Anhänger der Steinzeitdiät ins Feld führen, sind:

  • Steigerung der Sportlichkeit
  • weniger Hautunreinheiten
  • weniger Kopfschmerzen
  • kein Völlegefühl
  • kein Müdigkeit am Nachmittag

Ganzheitliche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass die Blutzuckerwerte dank der Steinzeitdiät sinken und das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung somit wesentlich geringer ist. Diese Diätform ist nahezu für alle Menschen geeignet, wobei allerdings Personen, die genetisch bedingt Eiweiß besser aufnehmen können sowie Kraftsportler dank des hohen Proteinanteils mehr von dieser Ernährungsform profitieren als Kohlenhydrattypen und Nichtsportler. Aufgrund des hohen Eiweißanteils und der damit verbundenen gesteigerten Flüssigkeitsaufnahme sollten Menschen, die an einer Niereninsuffizienz leiden, ihr Vorhaben, die Steinzeitdiät durchzuführen, mit ihrem Arzt besprechen. Auch Kinder sollten auf diese Diätform verzichten.

 

 

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Über den Autor:
Redakteur beim Gesundheitsportal Gesundheit.de.de.

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